Faktoren im Zusammenhang mit der Sterblichkeit von Hasen beim Hare-Coursing

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Autor Thema: Faktoren im Zusammenhang mit der Sterblichkeit von Hasen beim Hare-Coursing  (Gelesen 2122 mal)

Oval 5

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Von der Universitys Federation for Animal Welfare im UK gibt es aus dem Jahr 2007
eine Untersuchung der Faktoren, die mit der Sterblichkeit von Hasen in Hare-Coursings
zusammenhängen. Diese Wissenschaftliche Arbeit zeigt auf 8 Seiten (incl. Literatur-
nachweis) auf, daß und wie die Sterblichkeit der Hasen bei den Veranstaltungen wie sie
in Irland abgehalten werden durch ein gutes Management der Hasen und des Renn-
ablaufs sehr weit reduziert werden kann.

Die Untersuchenden sind mit Sicherheit nicht an einer Beschönigung der Tatsachen
interessiert - das verbietet sich schon aus dem grundlegenden Aufgabenbereich der
Vereinigung. Mit das Beste was mir zu dem Thema bisher untergekomen ist.


Hier meine Übersetzung der Zusammenfassung damit man dem ganzen englischen
Text leichter folgen kann.   




© 2007 Universities Federation for Animal Welfare
The Old School, Brewhouse Hill, Wheathampstead,
Hertfordshire AL4 8AN, UK

Factors associated with hare mortality during coursing
N Reid*†, RA McDonald‡ and WI Montgomery†[/url]



Faktoren im Zusammenhang mit der Sterblichkeit von Hasen beim Coursing
N Reid * †, RA McDonald ‡ und WI Montgomery †
 

Zusammenfassung
 
Hasenjagd mit Hetzhunden (Hare-Coursing) ist eine weit verbreitete aber umstrittene
Beschäftigung. Im Versuch die Todesrate von Hasen zu reduzieren und die
Auswirkungen der Aktivität auf das Wohlergehen der Hasen zu mindern, hat der Irish
Coursing Club im Jahr 1993 Maßnahmen inclusive einer Maulkorbpflicht eingeführt. Aber
die Effektivität dieser Maßnahmen blieb Thema hitziger Debatten. Offizielle Berichte,
von unabhängigen Videoberichten bekräftigt, wurden benutzt um das Los einzelner
Irischer Hasen (Lepus timidus hibernicus) während Coursing-Veranstaltungen zwischen
1988 und 2004 zu bewerten. Die Maulkorbpflicht reduzierte die Todesrate unter den
Hasen erheblich. In den Läufen ohne Maulkorb zwischen 1988/89 und 1992/93 betrug
die durchschnittliche Todesrate unter den Hasen 15,8%, gegenüber 4,1% aus den
Wettkämpfen mit Maulkorb zwischen 1993/94 und 2003/04. Eine weitere Reduzierung
der Todesrate konnte nicht auf die Maulkorbpflicht zurückgeführt werden, die die
Effektivität weiterer Faktoren unterstützte wie z.B. die verbesserte Haltung der Hasen.
Die Länge des Vorlaufs, der den Hasen gewährt wurde bis zum Freigeben der Hunde
beeinflußte ganz wesentlich die Auswirkung des Laufes. Hasen, die getötet wurden
hatten einen größeren Vorlauf als andere, die gejagt worden waren, aber überlebt
haben, was die Vermutung nahe legt, daß erstere langsamer waren. Eine Vorauswahl
der Hasen durch die Einschätzung ihrer Lauf-Fähigkeit könnte ein Mittel sein, um die
Sterblichkeit der Hasen beim Coursing weiter zu reduzieren. Unsere Ergebnisse
bekräftigen die Effektivität von Maßnahmen die zur Reduzierung der Auswirkungen auf
den einzelnen Hasen ergriffen werden. Indes bleibt es notwendig die Auswirkungen der
Entnahme von Hasen aus der Wildtierpopulation, sowie die Rückverbringung von
Hasen nach der Coursingsaison in die Wildnis zu untersuchen, bevor die Auswirkung
von Coursings auf die Wildtierpopulation ermittelt werden kann.

Übersetzung Oval@greyts.eu




Hasen werden - das sei hier klar gesagt - Angst haben während des Rennens, wenn
sie gehetzt werden.
Diese Angst ist Teil ihres natürlichen Lebensmodells. Hasen sind Fluchttiere. Angst und
Flucht sind die Grundlage für ihr Überleben als Wildtier. So wie der Sichtjäger das
bewegte Objekt hetzen wird, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. Wer sich mit der
Flucht von Fluchttieren eingehender beschäftigt hat weiß, daß die Aufregung beim
Fluchttier (und nur bei diesen!) so schnell wieder endet wie sie begonnen hat.
Die Angst vor einer vermeidlichen oder tatsächlichen Bedrohung reicht für ein Tier um
alles in seiner Macht stehende zu tun, das zu verhindern. Fluchttiere flüchten,
Beutegreifer wie der Hund können alternativ auch z.B. angreifen um einer Begrohung zu
entgehen. 


Zwischen den Hasenhetzjagden mit z.B. Galgos im Gelände und den Hare-Coursings
auf gemähten abgeschlossenen Wiesen mit einem sicheren Fluchtweg am oberen Ende
- dem "escape" - wie sie in Irland abgehalten werden bestehen eklatante Unterschiede.
Ich hoffe es nicht zu verschludern noch einen Thread zu machen mit Clips von den
unterschiedlichen Coursings in verschiedenen Ländern, damit sich jeder selber ein Bild
machen kann.

[1]


Oval 5, 26.10.2020. Neuer Link.

(Alter Link
Factors associated with hare mortality during coursing
N Reid*†, RA McDonald‡ and WI Montgomery†
)


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Timido

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In über 35 Jahren habe ich so manche Hetzjagd meiner Hunde beobachten können - teils waren Hasen auf mein sehr grosses Gelände geraten - oder aber, meine Hunde haben sich "davongemacht" (obwohl ich immer alles getan habe, um das zu verhindern!). - Dabei ist mir aufgefallen, dass unser Wild offensichtlich überhaupt nicht mehr an die Gefahren einer intakten Natur - also z.B. auch einer Hetzjagd - "gewöhnt" sind! - Jäger haben alles "Raubwild" als Jagdkonkurrenz eleminiert - das Wild wird vom Hochsitz aus abgeknallt, von Mähdreschern und Autos überfahren - eine wirkliche "Hetzjagd" erleben sie praktisch überhaupt nicht mehr - und deshalb reagieren sie offensichtlich völlig "kopflos", wenn ein Windhund sie hetzt! Und - deshalb erwischt ein Windhund hier das Wild auch fast immer.
Ich habe erlebt, dass einer meiner Afghanen ein Reh über eine weite Feld- und Wiesenlandschaft hetzte - mein Rudel konnte die Jagd hinter dem Zaun in weiter Entfernung beobachten und reagierte entsprechend - sie veranstalteten ein wüstes Geschrei! - Ich war mit Freunden draussen bemüht, den Afghanen zu erwischen und rannte dann doch in Richtung des Zauns, wo die ganze verrückte Meute einen Höllenlärm machte und - natürlich - auch versuchte, über den Zaun zu kommen - und genau DAS wollte ich unbedingt verhindern!
Dieses verrückte Reh MUSSTE auch mich gesehen haben und auch den Lärm meiner Hunde hören - aber - WAS tat es?? - Es rannte genau auf meine Hunde hinter dem Zaun zu!! - Völlig verrückt!! - Und das Resultat war - natürlich, dass der Afghane das Reh kurz vor dem Zaun erreichte und tötete.
Oder: In sehr gut einsehbarem Gelände über abgeerntete Felder und Wiesen liess ich zwei meiner Galgos frei laufen. Es gab ein kleines ca. 30 cm hoch mit Rüben bewachsenes Feld direkt am Waldrand - und als ich dort vorbeikam, sprangen zwei Rehe auf - die Hunde natürlich sofort hinterher! - Und - anstatt in den direkt angrenzenden Wald zu flüchten, rasten diese verrückten Rehe auf die sich kilometerweit erstreckenden Felder!
Ich habe hier ein vom übrigen Gelände abgetrenntes Areal direkt neben meinem Haus für die Hunde - auf der ca. 1,50 m hohen Mauer sind Winkeleisen mit Stacheldraht - das Ganze hat insgesamt eine Höhe von 2,00 Metern - für die Hunde ein "Hochsicherheitstrakt", aus dem sie nicht herauskönnen. - Neulich will ich die Hunde da hereinbringen - da spingt in diesem "Hunde-Sicherheitstrakt" ein Reh herum!! - Ich konnte die Hunde gerade noch bändigen und ins Haus zurück bugsieren! - Das Reh MUSS von aussen über diese 2 Meter da hineingesprungen sein! -
So könnte ich noch einige Beispiele nennen - und - was ich damit sagen will:
Das Wild braucht "natürliche" Bedingungen - also auch die Erfahrung "gehetzt" zu werden, um eine Chance zu behalten, so ein Ereignis zu überleben ...........
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Oval 5

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Ja, das Wild braucht einen Grund sich natürlich zu verhalten - das ist auch meine Beobachtung.
Ich hatte auch schon Hasen, die auf uns zu gelaufen sind  auf den Wegen statt davon zu laufen.

Umgekehrt lasse ich meine Hunde aber auf den Feldern bei uns auch wirklich sehr selten frei - mir fehlt einfach der Glaube, daß ich immer vor den Hunden sehen würde, was da kommt.
Das habe ich zu oft anders erlebt und ich denke, Mensch hat unter anderem dafür Hund, weil Hunde eben die schärferen Sinne haben, vor uns sehen, hören, riechen was da kommt.
 
Die Bilder vom Geburtstags-Spaziergang gestern (wo die Hunde ja eine Stunde oder länger einfach frei waren) sind wie man sehen kann auf einem Damm zwischen zwei Kanälen entstanden. Das sind Stellen, die zwar nicht abgezäunt sind, die wilde Fluchttiere aber normal nicht freiwillig betreten.
Fluchttiere haßen es keinen Ausweg zu haben. Selbst Mäuse gehen nur ungerne in Fallen, die keinen zweiten Fluchtweg suggerieren. Nach meine Erfahrung ist es vergleichsweise sicherer, solche Mechanismen zu nutzen als Zäune oder die eigene Aufmerksamkeit, wenn man Wildbegegnung verhindern möchte.

Mit den Windhunden habe ich mir bis auf eben wenige Ausnahmegelände angewöhnt, nur immer einen Hund gleichzeitig frei zu lassen. Das erhöht die Chancen zumindest für all jene Fälle deutlich, bei denen ein Wildtier noch korrekt flüchtet, wie es seiner Art entsprechen würde.


Bisher - und möge das bitte so bleiben.. - haben wir so nur Mäuse zu verantworten und ganz zu Anfang ein Hühnchen, das ich nicht gesehen und da auch wirklich nicht erwartet hatte.
Sicherheit gibt es ja nie mit Tieren. Alles was lebt kann uns auch überraschen. Das ist ja das eigentlich schöne  smiley.gif   
Trotzdem versuche ich nach Kräften zu verhindern die Wildtiere durch meine Hunde zu reduzieren - wie Du schon schreibst sind Autos und Jäger schon eine riesen Gefahr und ich freue mich nicht nur über meine Hunde sondern ganz genauso über eine Landschaft mit Wildtieren (wo sie denn noch existieren)


Wirkliche Probleme habe ich in erster Linie mit nicht mehr flüchtenden Katzen.... die haben ja so gar keinen Respekt mehr vor Hunden, was dann doch fatal enden kann.


 
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